Dreifache Buchführung – Blockchain im Rechnungswesen

Blockchain-Technologie ist nicht nur an Kryptowährungen gebunden, sondern bietet immenses Potential für die Buchführung der Zukunft. Durch eine Erweiterung eines digitalen dritten Hauptbuches könnte die Buchführung viel effizienter und transparenter gestaltet werden. Wie das funktionieren könnte, lesen Sie hier.

Jahresabschlussarbeiten per Knopfdruck

Oder sogar Sprachbefehl? Von jedem Ort der Welt zu jeder Zeit? Für heutige Zukunftsforscher, Wissenschaftler und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist das ein realistisches Szenario innerhalb der nächsten 20 Jahre. Möglich wäre das, wenn ein Unternehmen die relevanten Finanz- und Buchhaltungsdaten mit allen seinen Geschäftspartnern in Echtzeit teilt – sicher verschlüsselt in einem Netzwerk. Und daraus können automatisch alle Jahres-, Quartals, Monats- oder Tagesabschlüsse der teilnehmenden Unternehmen erstellt werden. In einem geteilten Hauptbuch, Public Ledger, Distributed Ledger oder auch Shared Ledger genannt. 

Doch wer stellt dann sicher, dass diese Echtzeit-Daten richtig sind, nicht gehackt und manipuliert werden können? Die Antwort der Experten lautet Blockchain. Doch was ist das überhaupt für eine Technologie? Das lässt sich leicht anhand eines weiteren Anwendungsbereichs erklären: 

Lückenlos Lieferketten erfassen – Die Blockchain macht es möglich

Für Hersteller von Produkten ist es heute schon eine große Herausforderung die multinationalen oder globalen Lieferketten in den Griff zu bekommen. Wenn ein Kunde beispielsweise bei einem Anbieter in den Niederlanden ein Smartphone bestellt, ist eine effiziente Produktionsplanung für letzteren extrem wichtig: Welche Rohstoffe befinden sich auf dem Weg zum Assembler in China? In welcher Fabrik wird der Akku gefertigt? Diese Informationen ließen sich besser beherrschen, wenn die Lieferkete der Smartphones vollständig in einem System erfasst wären. 

Wie funktioniert die Blockchain?

Einfaches Beispiel: Jede Güterbewegung in der Lieferkette, die für die Handyproduktion notwendig ist, wird mit Datum in einer Excel-Tabelle erfasst. Jeder innerhalb der Lieferkette hat Lese- und Schreibrechte. Der Goldschürfer in Peru liefert an seinen Goldhändler und trägt diese Güterbewegung in die Blockchain ein. Der Händler bestätigt den Eintrag und trägt in der nächsten Zeile ein, dass er dieselbe Goldlieferung an einen Veredelungsbetrieb übergibt. Falls jemand innerhalb die Mengenangaben ändert, würde das sofort auffallen. Die Tabelle wäre inkompatibel zu anderen gespeicherten Versionen im Netzwerk. Das bedeutet, jedem würde die Manipulation auffallen und der Betrüger hätte keinen Erfolg. 

Die Blockchain im Supply Chain Management

Transparente Lieferketten: Wie soll das funktionieren?

Ganz einfach: Jeder schützt seinen Bereich der Tabelle mit einem Passwort, das nur er selbst kennt. Im Laufe der Herstellung des bestellten Smartphones würde die Tabelle immer mehr Detaildaten und Blätter sammeln. Der niederländische Anbieter kann die für ihn völlig transparente Lieferkette von Anfang bis Ende kontrollieren und auf die Echtheit der Einträge vertrauen.

In einer Blockchain läuft es ähnlich ab. An Stelle der Excel-Arbeitsblätter aus dem Beispiel treten Datenblöcke, die miteinander verkettet sind. Alle zehn Minuten wird in dem geteilten Netzwerk ein Satz der neuesten Daten gepostet, validiert und der Kette vorangegangener Blöcke angehängt. 

„Blockchain-Technologie ist nicht nur an Kryptowährungen gebunden, sondern bietet immenses Potential für die Buchführung der Zukunft.“

Dreifache Buchführung am Beispiel erklärt

Das Gedankenspiel lässt sich noch ausweiten: Zwischen den Lieferanten und Händlern sind noch Speditionen, Zoll, Fabriken und Weitere geschaltet. Jeder ist verpflichtet, jeden Geschäftsvorfall aufzuzeichnen. Das heißt sie sind verpflichtet Bücher zu führen. Wäre es dann nicht reizvoll, wenn sie die Blockchain nutzen, um eine gemeinsame Buchführung zu erstellen?

In der Theorie könnte die dreifache Buchführung so funktionieren: Alle Buchungen, an denen externe Parteien beteiligt sind, werden kryptografisch „versiegelt“ und in einem dritten Teilschritt in einem geteilten Hauptbuch (Shared Ledger) gespeichert. Die Geschäftspartner schließen Smart Contracts und geben gegenseitige Berechtigungen zur Nutzung und Weiterverarbeitung der Daten, welche Sie für ihre beiderseitige doppelte Buchführung benötigen. Smart Contracts erledigen Prüfungs- und Buchungsroutinen schnell, präzise und vollständig.

Fazit: Lohnt sich die dreifache Buchführung?

Den Vorteilen der höheren Effizienz, Transparenz und Vertrauenswürdigkeit der Daten stehen noch Herausforderungen gegenüber. Die Blockchain-Technologie benötigt viel Hardware und Energie und muss auf eventuelle Inkompatibilitäten getestet werden. Und es gilt, gesetzliche Rahmenbedingungen zur Datennutzung und zu Aufzeichnungspflichten an die digitale Welt anzupassen. 

Doch es ist wahrscheinlicher, dass sich die dreifache Buchführung im Internet der Werte durchsetzt, als dass alle gezwungen werden, ihre sensiblen Finanz- und Buchhaltungsdaten einem einzigen globalen Cloud-Anbieter anzuvertrauen. Denn Vertrauen ist alles.

Dieser Artikel erschien zuerst in:
Soll & Haben - Das Magazin zur Zukunft im Rechnungswesen

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Martin Finke
Martin Finke
Martin nutzt seine langjährigen Erfahrungen im Finanz- und Rechnungswesen um als Produktmanager bei Diamant Software das Rechnungswesen und die Konzernbuchhaltung weiterzuentwickeln. Im Diamant Blog gibt er nützliche Tipps zu Compliance und Themen aus dem Handels- bzw. Steuerrecht.

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