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IT-Strategie: Best of Breed oder „Alles aus einer Hand“

17. November 2015
Sandra Buschsieweke

Es gibt kein Richtig oder Falsch

Bei der Auswahl einer neuen Unternehmenslösung ist die grundsätzliche IT-Strategie die Basis. Setze ich als Unternehmen auf eine Komplettlösung „Alles aus einer Hand“ oder wähle ich für jeden Bereich die beste Lösung „Best of Breed“. Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Denn die Entscheidung liegt grundsätzlich darin begründet, wo Sie als Unternehmen für sich die größten Vorteile erkennen. Wir beleuchten den Best-of-Breed-Ansatz genauer – mit einem überraschenden Ergebnis.

Was genau bedeutet Best of Breed?

Best of Breed heißt: Im Bereich der IT Systeme die für jeden Geschäftszweck die am besten passende Softwareunterstützung einzusetzen. Dementsprechend setzen Best-of-Breed-Strategen auf Modularität und kombinieren die Lösungen verschiedener Hersteller. Aus diesen Speziallösungen – beispielsweise für Rechnungswesen, Warenwirtschaft oder CRM – entsteht durch Integration eine durchgängige, hochflexible Systemlandschaft.


 

Welche konkreten Vorteile hat ein Unternehmen durch die Nutzung der Best-of-Breed-Strategie?

Unabhängigkeit und Flexibilität ist bei Best of Breed Trumpf.

Eine der größten Herausforderungen von mittelständischen Unternehmen ist es, flexibel und agil auf sich permanent ändernde Marktbedingungen und Anforderungen an die eigene IT zu reagieren. Setzt man auf die am besten geeignete Lösung für jede Aufgabe, schafft man eine deutliche bessere Unterstützung der Geschäftsprozesse durch die IT, da die Lösung von einem Spezialisten kommt.

Zusätzlich schafft man auch ein hochagiles, anpassbares System, welches deutlich schneller und kostengünstiger auf Veränderungen reagieren kann. Optimale, flexible Geschäftsprozesse mit bestmöglicher EDV-Unterstützung schaffen auch Wettbewerbsvorteile. Die IT ist dann nicht wie so oft Bremser des Unternehmenserfolgs, sondern Treiber.

Best of Breed leistet aber auch einen Beitrag zur Risikominimierung.

Die Unternehmen wählen für jeden Geschäftsbereich die beste Lösung und tauschen sie bei Bedarf wieder aus, z. B. weil sich Geschäftsprozesse ändern oder neue gesetzliche Auflagen zu berücksichtigen sind. Damit befreien sie sich aus der Abhängigkeit von ihren Software-Lieferanten.

Gegenüber den Anbietern ergibt sich eine deutlich stärkere Verhandlungsposition, denn dieser muss im Zweifel damit rechnen, dass das Unternehmen mit der angebotenen Lösung unzufrieden ist und dann sogar das System wechselt. Dies ist ein grundsätzlicher Ansporn für Best-of-Breed-Anbieter, insbesondere in die Qualität der Betreuung und der Services auch nach dem Kauf zu investieren.

Heterogene Anwendungs- und Systemumgebungen „sanft“ einbinden.

Unternehmen investieren über viele Jahre in Anwendungen, welche die Lebensader des Unternehmens darstellen. Drastische Änderungen an diesen Systemen könnten zu massiven Geschäftsunterbrechungen führen. Der Best-of-Breed-Ansatz erlaubt es diesen Unternehmen, einzelne Anwendungen isoliert zu modernisieren bei gleichzeitiger Weiternutzung der anderen wichtigen betrieblichen Systeme.

So lösen Sie Altsysteme Schritt für Schritt in verdaulichen Schritten ab. So müssen Sie Ihre Organisation durch ein Mammut-Einführungsprojekt für ein ERP-Komplettsystem nicht über mehrere Monate belasten und jedes Teilprojekt bleibt kalkulierbarer.

Abbildung hoher funktionaler Ansprüche – ohne kostenintensive Individualisierung.

Viele ERP-Anbieter sind zu Systemintegratoren geworden. Die Größe der Anwendung macht die Weiterentwicklung der einzelnen Module zu einer schwierigen Aufgabe, so dass die Funktionen der Module oft hinter den Erwartungen zurückbleiben. Aufgrund seiner speziellen Fokussierung bietet ein Best-of-Breed-System dagegen eine herausragende und umfangreiche Funktionalität.

Dieser breite und tiefe Funktionsumfang der Gesamtlösung stellt sicher, dass hohe Anforderungen bereits im Standard erfüllt werden können.


 

Und wie meistern Best-of-Breed-Anbieter die Herausforderung der Integration?

bob2_blog_450px„Alles aus einem Guss“ als das Hauptargument von ERP-Anbietern gegen die Best -of-Breed-Strategie. Schaut man genauer hin, wird diese Aussage allerdings schnell widerlegt. Zunächst einmal kann kein ERP-System alle benötigten Funktionen vollständig abdecken. Es wird in der Praxis dann doch wieder aufwendig modifiziert. Im Zweifelsfall entwickeln sich in Teilbereichen des Unternehmens auch sogenannte „Schatten-IT-Lösungen“, um die notwendigen Anforderungen abdecken zu können. Diese Problematik haben einige ERP-Anbieter auch schon für sich erkannt und integrieren Best-of-Breed-Lösungen in ihr eigenes Produktportfolio, um die notwendige Funktionstiefe zu gewährleisten. Moderne Implementierungsmethoden wie Webservices begünstigen zusätzlich die Best-of-Breed-Strategie. Denn Webservices-Schnittstellen basieren auf allgemein gültigen Web-Standards.

Das heißt: Anwendungen, welche die entsprechende Offenheit aufweisen, können miteinander „reden“ – egal von welchem Hersteller, welche Betriebssysteme, Datenbanken und Programmiersprachen von ihnen verwendet werden. Darüber hinaus besteht durch den direkten Einfluss auf die Schnittstellen Transparenz über die Datenflüsse, die zwischen den einzelnen Systemen bestehen, die auch wieder entkoppelt werden können. Die nahtlose Integration ihrer Speziallösungen in vorhandene Systemlandschaften gehört schließlich zum Kerngeschäft der Best-of-Breed-Anbieter. Einheitliche Bedienphilosophien, die bei vielen Herstellern z. B. auf Microsoft Office beruhen und die Fähigkeit, die Benutzeroberflächen flexibel anzupassen, schaffen dann auch an der Oberfläche unkomplizierte Lösungen aus einem Guss.

Einbindung von Cloud Diensten

Zunehmend werden IT-Lösungen auch dynamisch mit passenden Angeboten aus der Cloud ergänzt, die die Geschäftsprozesse unterstützen oder bestehende Lösungen in die Cloud ausgelagert – dabei entstehen oft hybride Betriebsmodelle in der die Lösung an unterschiedlichen Standorten verteilt ist. In diesen Fällen ist es von Vorteil, wenn die Systeme über klar definierte Integrationsschnittstellen entkoppelt sind und so eine einfache Anbindung gewährleistet wird. Der hybride Ansatz ermöglicht zudem eine einfache Skalierung der Dienste.

Wartung und Support bei mehreren Lösungen

Nach welchen Aspekten erfolgen Wartung und Support eines Anbieters vor dem Hintergrund, dass mehrere Lösungen miteinander verbunden sind? Wie wird mit neuen Versionen einzelner Lösungen umgegangen? Ein Best of Breed- Anbieter kann sich voll und ganz auf die Weiterentwicklung seiner Lösung fokussieren und dabei gleichzeitig die Qualität in Funktionalität, Bedienung, Technologie und Stabilität der Schnittstellen sowie Rückwärtskompatibilität sicherstellen. Das unterscheidet ihn vom ERP-Hersteller. Denn dessen breites Produktportfolio bzw. Lösungsvielfalt macht sehr aufwändige und komplexe Qualitätstests notwendig. Um die Qualität zu sichern, drosseln sie deshalb oftmals ganz bewusst das Innovationstempo ihrer Software. Viele ERP-Anwender beschleicht das Gefühl, dass ihr System nicht mehr wirklich weiterentwickelt wird.

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bei Best of Breed (ROI, TCO)

Einen langfristigen Investitionsschutz für die Softwarekomponenten sichert der Best-of-Breed-Ansatz durch die Unabhängigkeit von Anbietern. Darüber hinaus können Best-of-Breed-Anbieter auf ihrem Gebiet mit einer wesentlich schnelleren Implementierungs- und Einführungsphase sowie durch eine am Anwender orientierte Prozessunterstützung in der Lösung gegenüber den Generalisten punkten. Zudem reduziert die Modularität unter Einbezug wohl definierter Schnittstellen die Komplexität auch in Bezug auf Qualitätssicherung. Fehler lassen sich dadurch einfacher isolieren.


 

Eine strategische Entscheidung

Abschließend betrachtet kann die Best-of-Breed-Strategie vielen Unternehmen Kosten- und Strategievorteile bringen. Unter Berücksichtigung der Notwendigkeit schnell zu agieren und des Wunsches, sich mithilfe von flexiblen Softwaresystemen, die dynamisch auf verändernde wertschöpfende Prozesse reagieren, von anderen Mitbewerbern abzuheben, sollte die Best-of-Breed-Strategie“ in Erwägung gezogen werden. Ausgewachsene ERP-Lösungen eignen sich nun einmal nicht für jedes Unternehmen. Sie sind für viele Situationen zu umfangreich, komplex und zu kostenintensiv geworden und können zur Belastung werden.

 

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