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Experteninterview: So sieht das Rechnungswesen und Controlling von morgen aus

25. April 2019
Marco Maritschnigg

Im Interview: Ralf Schlüter, Leiter Produktportfoliomanagement bei Diamant Software

Das Rechnungswesen umfasst weit mehr als die reine Buchhaltung. Es dient als ein Management-Informationssystem, das die Zahlen, Daten und Fakten für wesentliche Unternehmensentscheidungen liefert und zugleich Prozesse des täglichen Geschäfts nahezu völlig automatisiert. Damit etabliert sich diese Software als ein wesentlicher Treiber für die Digitalisierung im Unternehmen. Ralf Schlüter, Leiter Produktportfoliomanagement bei Diamant Software, verdeutlicht wie das „Rechnungswesen und Controlling von morgen“ aussehen wird.

Stichwort Rechnungswesen – welche Rolle spielt hier die Digitalisierung?

RS: Wir haben eine Studie zum Themenbereich Digitalisierung erheben lassen – mit dem Resultat: Für mehr als 90 Prozent der Befragten sind die Bereiche Rechnungswesen, Controlling und Verwaltung wesentliche Bestandteile der Digitalisierungsstrategie. Die Begründung für diese Aussage ist: Flexible und skalierbare Prozesse für die Bereiche Rechnungswesen und Controlling machen das Unternehmen fit für die Zukunft, wenn sie mehr Transparenz über aktuelle Zahlen schaffen und Trends aufdecken.

Abbildung: Automatisierungspotentiale im Rechnungswesen und Controlling

Wandelt sich damit die Rolle der Buchhaltung?

RS: Ja, eindeutig. Die klassischen operativen Routinetätigkeiten Kontieren und Buchen nehmen ab und sind bereits weitgehend automatisiert. Somit verbleibt im Rechnungswesen mehr und mehr die „Kontrolle“ als Managementaufgabe, die Grenzen zum Controlling verschwinden. Es geht also nicht allein darum, eine Bilanz zu erstellen und vergangenheitsbezogen zu berichten. Vielmehr sind Lösungen gefragt, die Mitarbeiter als Impulsgeber und Berater qualifizieren. Sie sollten immer auskunftsfähig sein, den aktuellen Überblick besitzen, im Idealfall Entwicklungen frühzeitig erkennen – und dabei gleichzeitig Liquidität und Rentabilität des Unternehmens sicherstellen.

 

Abbildung: Neue Aufgaben für den Buchhalter im Kontext der Digitalisierung

 

Mit der unternehmensweiten Digitalisierung kommt aber noch eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen ins Spiel. Was muss die „kaufmännische Lösung von morgen“ dazu alles einbeziehen können?

RS: Die Software muss trotz höherer Automatisierung und Komplexität beherrschbar bleiben! Bei den Veränderungen durch die Digitalisierung muss sich die Software an die veränderten Prozesse anpassen und nicht umgekehrt. Die Fachabteilung hat den Schlüssel für die Umsetzung der Digitalisierung in der Hand, damit im kaufmännischen Bereich alle Informationen zusammenlaufen – eine Voraussetzung für mehr Transparenz. Eine erfolgreiche Systemvernetzung bildet die Basis und die Einfachheit der Problemlösung trägt maßgeblich zum Erfolg der Umsetzung bei. Systeme, die sich nicht oder nur schwer vernetzen lassen, werden ausgetauscht.

Unter dem Begriff Digitalisierung verbirgt sich immer auch das Thema Automatisierung. Was muss eine Lösung mitbringen, um diese Anforderung abdecken zu können?

RS: Auch hier komme ich wieder auf die durchgängige Systemvernetzung zurück. Denn die Vernetzung ist die Basis für eine umfassende Automatisierung. Damit lassen sich Aufwände reduzieren, wenn Routinearbeiten nicht mehr von Hand ausgeführt werden müssen. Die Verantwortung für Steuerung und Überwachung der Prozesse im Unternehmen muss etabliert werden. Hieraus ergeben sich Perspektiven für den klassischen Buchhalter: Die Weiterentwicklung des Fachbereichs Rechnungswesen und Controlling zum Business-Partner für die gesamte Organisation.

Welche weiteren Anforderungen kommen durch die Digitalisierung ins Spiel?

RS: Die Digitalisierung erhöht die Anforderungen an das Thema Compliance. Digitale Prozesse müssen eindeutig beschrieben und nachvollziehbar sein – Stichwort Revisionssicherheit. Eine moderne Software muss selbstverständlich die Voraussetzungen dafür mitbringen und den Verantwortlichen bei der Compliance – die oft als leidiges Thema empfunden wird – unterstützen.

Wie wichtig ist die Bezugsart der Software für den kaufmännischen Bereich?

RS: Der Markt verändert sich zunehmend vom klassischen Lizenzmodell hin zu einem Subscription Modell. Die Software kann dabei auf den eigenen Systemen oder über die Cloud bezogen werden. Dabei spielen die Anforderungen an die Compliance eine größere Bedeutung als die Frage „Cloud oder Eigenbetrieb?“. Bei Letzterem sind die Anforderungen an IT-Sicherheit und damit die Kosten zuletzt gestiegen. Hier kann eine SaaS-Lösung oft deutliche Vorteile verzeichnen.

(Ursprünglich erschienen im Midrange Magazin, Autor: Rainer Huttenloher)

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