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Jahresabschluss im Mittelstand: 10 Antworten auf die wichtigsten Fragen

3. Februar 2020
Marco Maritschnigg

Nützliches Hintergrundwissen zum Abschluss des Geschäftsjahres

Das Jahr hat zwölf Monate und am Ende steht der Jahresabschluss. Obwohl viele Rechnungswesen-Teams regelmäßig mit gemischten Gefühlen auf dieses Ereignis reagieren: Der Jahresabschluss ist unausweichlich. Wir beantworten die 10 drängendsten Fragen zum Jahresabschluss.

01 Wozu dient der Jahresabschluss?

Ein korrekter Jahresabschluss ist ein wesentlicher Bestandteil der ordnungsgemäßen Buchführung. Er schließt das Geschäftsjahr ab und ermittelt das Ergebnis und Betriebsvermögen. Der Jahresabschluss beinhaltet also Informationen über den wirtschaftlichen Zustand eines Unternehmens am Ende des Geschäftsjahres. Drei Hauptfunktionen erfüllt diese jährliche Prozedur:

  • Zahlungsbemessung: Der Jahresabschluss dient als Grundlage für die Besteuerung und mögliche weitere Zuzahlungen des Unternehmens, etwa Erfolgsbeteiligungen oder Dividenden.
  • Rechenschaft: Stakeholder wie Gläubiger, Anteilseigner oder die Öffentlichkeit bekommen Informationen über das Vermögen eines Unternehmens (Bilanz) und den Erfolg des Geschäftsjahres (Gewinn- und Verlustrechnung).
  • Ausschüttungsbemessung: Kann der erwirtschaftete Jahresüberschuss (Gewinnvortrag) an die Anteilseigner ausgeschüttet werden? Dieser Fragen widmen sich Gesellschafterversammlungen auf Basis des Jahresabschlusses.

02 Wer muss einen Jahresabschluss erstellen?

Grundsätzlich untersteht jedes Unternehmen der Bilanzierungspflicht, das mehr als 600.000€ Umsatz oder 60.000€ Gewinn im Geschäftsjahr erwirtschaftet hat (§141 Abgabeordnung).

03 Was sind die wesentlichen Bestandteile des Jahresabschlusses?

Ein Jahresabschluss besteht mindestens aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (§ 242 Abs. 3 HGB).

Bei In Kapitalgesellschaften und diesen gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften muss zudem ein Anhang beigefügt werden. Dieser gibt Auskunft über die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens. Hinzu kommt gegebenenfalls der Lagebericht, der Auskunft über die Zukunftsaussichten gibt.

Bei kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften, die keinen Konzernabschluss aufstellen müssen, zählen zum Jahresabschluss zusätzlich die Kapitalflussrechnung und der Eigenkapitalspiegel. Optional ist eine Segmentberichterstattung.

04 Welche Positionen gehören in die Bilanz?

Die Bestandteile einer Bilanz sind in §266 HGB klar vorgegeben und werden detailliert auf der Aktiv-, sowie Passivseite erläutert:

05 Welche Positionen beinhaltet die GuV-Rechnung?

Die GuV-Rechnung kann nach zwei verschiedenen Verfahren aufgestellt werden: dem Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HBG) und dem Umsatzkostenverfahren (§271 Abs. 3 HGB):

06 Was beinhaltet der Lagebericht?

Der Lagebericht muss ein realistisches Bild der Geschäftstätigkeit vermitteln – zu Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und der Lage der Kapitalgesellschaft. Auch der Aufbau des Lageberichtes ist im Handelsgesetzbuch (§269 HGB) vorgegeben. Der Lagebericht enthält:

  • Wesentliche finanzielle Leistungsindikatoren
  • Beurteilung der voraussichtlichen Entwicklung samt Chancen und Risiken
  • Erläuterung der Annahmen
  • Versicherung, dass die Darstellung im Lagebericht nach bestem Wissen erfolgt ist
  • Risikomanagementziele und -methoden
  • Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken, Risiken aus Zahlungsstromschwankungen
  • Bericht des Bereichs Forschung und Entwicklung
  • Informationen zu Zweigniederlassungen der Gesellschaft

Grundsätzlich müssen Informationen über die Geschäftstätigkeit, die Ertragslage, die Vermögenslage, die Finanzlage und die Corporate Social Responsibility aus dem Lagebericht hervorgehen.

07 Was gehört in den Anhang?

Ihr Unternehmen muss einen Anhang erstellen. Was gehört dort hinein? Im HGB §284 ff. ist ein ausführlicher Anforderungskatalog aufgeführt. Dieser lässt sich auf diese drei Punkte zusammenfassen:

  1. Allgemeine Grundsätze: welche Sachverhalte wurden in die Bilanz aufgenommen und wie werden diese ausgewiesen? Hier werden die Methoden erläutert.
  2. Erläuternde, ergänzende und korrigierende Informationen zur Bilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung: In der Bilanz zusammengefasste Posten müssen hier ebenso aufgeschlüsselt werden, wie die Art der Abschreibung. Verkäufe und außergewöhnliche Ereignisse gehören in die korrigierenden Informationen. Sie sorgen für mehr Klarheit.
  3. Sonstige Angaben: hier werden die Namen aller Mitglieder der Geschäftsführung, des Aufsichtsrates genannt und Angaben zu deren Bezügen und Bezugsrechten gemacht (vollständig). Auch die Anzahl der Beschäftigten gehört hierher.

08 Wer muss den Jahresabschluss veröffentlichen?

Hier kommt der Begriff „Publizitätspflicht“ ins Spiel. Grundsätzlich ist muss der Jahresabschluss inklusive Bestätigungsvermerkt spätestens 12 Monate nach Ende des Geschäftsjahres im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Das ist verpflichtend für alle Kapitalgesellschaften gemäß § 325 HGB (s.o.) sowie Personenhandelsgesellschaften ohne persönlich haftenden Gesellschafter wie z.B. die GmbH & Co. KG. Außerdem sind alle Unternehmen zur Veröffentlichung verpflichtet, die an drei aufeinanderfolgenden Stichtagen mindestens zwei dieser Kriterien erfüllen (§1 Publizitätsgesetz):

  • Bilanzsumme von mehr als 65 Millionen Euro
  • Umsatzerlöse von mehr als 130 Millionen Euro
  • Mehr als 5.000 Arbeitnehmer

09 Wer ist verantwortlich für den Jahresabschluss?

Auch wenn der Abschluss durch den kaufmännischen Bereich erarbeitet und erstellt wird, verantwortlich ist der gesetzliche Vertreter der Gesellschaft – also die Geschäftsführung in einer GmbH oder die Vorstände in einer AG. Wichtig zu wissen: auch wenn der Jahresabschluss durch eine sachkundige Person erstellt wird (Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater), verbleibt die Verantwortung beim gesetzlichen Vertreter.

10 Was ist eine E-Bilanz?

Wie bereits erwähnt dient der Jahresabschluss auch zur Steuerbemessung. Die E-Bilanz ist dessen elektronische Übermittlung an das Finanzamt. Dem entsprechend werden in der E-Bilanz neben Stammdaten die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung übermittelt. Übertragen werden die Daten über das ELSTER-Portal.

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Studie: KI & Automatisierung im Rechnungswesen und Controlling

Aktuelle Erkenntnisse fasst die Studie "Wer wollen wir sein? Der kaufmännische Bereich erfindet sich neu." zusammen.

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Ein Beitrag von
Marco Maritschnigg
Neue Herausforderungen durch Automatisierung, KI, Big Data und die neue Arbeitswelt wecken das Interesse des studierten Linguisten. Marco teilt seine Erfahrungen im Diamant Blog und schreibt zu aktuellen Trends.

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