Formen des Controllings im Mittelstand – Darauf sollten Sie achten!

Studie beweist: Der Mittelstand hört beim Controlling noch auf sein Bauchgefühl. Wie sich Controlling in den Alltag integrieren lässt, verrät dieser Artikel.
Controlling im Mittelstand

Studien-Ergebnisse: Formen des Controllings im Mittelstand

Um national wie international konkurrenzfähig zu bleiben, steigen gerade in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung die Herausforderungen mittelständische Unternehmen. Der transparente Rundum-Blick über die Unternehmenszahlen ist mittlerweile ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Haben Sie vor diesem Hintergrund schon einmal über die Position und Rolle des Controlling in Ihrem Unternehmen nachgedacht?

Der Mittelstand hört beim Controlling auf sein Bauchgefühl

Im Rahmen einer Studie von Diamant Software wurden 320 Personen aus mittelständischen Unternehmen und Organisationen zu der Rolle des Controllings im Mittelstand befragt. Der Aufwand eine Lösung für die Herausforderung Controlling im eigenen Unternehmen zu finden, wird vom Mittelstand häufig höher eingeschätzt als die zu gewinnenden Erkenntnisse. Nur wenige wissen dabei, was Controlling wirklich beinhaltet und wie sich dieses Aufgabenfeld fest in die betrieblichen Abläufe integrieren lässt. Daher die berechtigte Frage: Wie sieht „echtes“ Controlling eigentlich aus und wie lässt es sich unabhängig von der jeweiligen Betriebsform und -größe organisieren?

Controlling im Betriebsalltag

Laut Studie korreliert die Relevanz, die mittelständische Unternehmen aktuell dem Controlling zurechnen, mit den jeweiligen Anforderungen an das Berichtswesen, den beteiligten Personen sowie den Organisationsformen und -größen. Demnach lassen sich im fachlichen Verständnis diverse Unterschiede festmachen, welche Ausprägungen, Funktionen und Aufgaben mit dem Begriff Controlling assoziiert werden.

Exkurs: Formen des Controllings in der Theorie

Angelehnt an das Modell von Dr. Christian Faupel, Professor für Controlling und Kostenmanagement an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, lassen sich verschiedene Ausprägungen des Controllings ermitteln. Diese sind abhängig von den individuellen Anforderungen sowie vom Personenkreis, der in Planung, Steuerung und Kontrolle eingebunden ist.

  • Buchhaltungsorientiertes Controlling – Die für die Unternehmensteuerung benötigten Informationen stammen unmittelbar aus der Buchhaltung. Zentrale Aufgaben sind hier vor allem Rechenschaftslegung sowie die Übermittlung der relevanten Informationen. In Form von listenbasierten Berichten erreichen diese die Geschäftsführung, die sie für die Unternehmenssteuerung und Planung eingesetzt werden.
 
  • Vergangenheitsorientiertes, reaktives Controlling – Der Fokus liegt hier auf den Finanzen und dient der Sicherung von Liquidität und Rentabilität. Vornehmlich werden hierfür Kostenstrukturen ausgewertet, Planalternativen erstellt und regelmäßige Analysen durchgeführt. Diese bilden mit dem Monatsreporting die Basis für Entscheidungen von Geschäftsführung und kaufmännischer Leitung.
 
  • Zukunftsorientiertes, antizipatives Controlling – Den Schwerpunkt bilden Abweichungsanalysen, aus denen entsprechende Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet werden. Die Planung und Auswertung einzelner Produkte und Leistungsbereiche stellen die Zielerreichung sicher. Auch die Betrachtung von Deckungsbeiträgen gewinnt in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Die Erkenntnisse werden gezielt mit den jeweiligen Führungskräften und Bereichsleitern geteilt.
 
  • Innovative, managementorientierte Controlling – Bei dieser Form legen Unternehmen den Fokus auf eine grundlegende Optimierung der Führungsarbeit. Planungs-, Kontroll- und Steuerungsmaßnahmen werden unter Berücksichtigung von Marktentwicklung und Trends aus dem Umfeld erarbeitet. Die Controllingkompetenzen erstrecken sich dabei auch auf die zweite Führungsebene, woraus sich ein höherer Bedarf ergibt, Analysen und Berichte automatisiert zu teilen. Bei dieser Variante fokussiert das Controlling das gesamte Unternehmen, entlastet dadurch das Top-Management und versorgt Führungskräfte und Mitarbeiter mit den auf sie zugeschnittenen Informationen.

Mittelstand ist sich über Controllinginstrumente einig

Einig ist sich der Mittelstand in punkto Controllinginstrumente. So liegen auf den vorderen Plätzen mit großem Vorsprung:

  • Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)
  • Kostenstellenrechnung
  • Plan-Ist-Abweichungsanalyse
  • Liquiditätsanalyse
Unternehmen mit eigener Controllingabteilung nutzen zusätzlich neben den zuvor genannten Instrumenten die Deckungsbeitragsanalyse, Top-Down-Planung, Bottom-Up-Planung und die ABC-Analyse. Diese Unternehmen ordnen die genannten Instrumente höher ein als Organisationen, die ihr Controlling über eine Stabsstelle, dezentral oder aus dem Rechnungswesen heraus steuern.

 

Einsatz von Controlling nach Geschäftsbereiche

Die Studie zeigt, dass der Mittelstand Controlling bereits in verschiedenen Bereichen des Unternehmens einsetzt, insbesondere in der Kosten- und Leistungsrechnung sowie im Bereich Finanzen. Auch Investitionsentscheidungen, Kalkulationen und Projektsteuerung sind vermehrt Bestandteile mittelständischen Controllings. Weniger ausgeprägt sind dagegen die Bereiche Vertriebssteuerung, Forderungs- und Personalmanagement, Beschaffung und Logistik sowie Produktionssteuerung.

Die Organisation des Controllings innerhalb des Rechnungswesens spiegelt die enge Verknüpfung dieser Bereiche wider. Ebenfalls verbreitet ist die Stabsstelle als Organisationsform und einen eigenen Funktionalbereich für das Controlling richten insbesondere Unternehmen ab 100 Mitarbeitern ein.

Rechnungswesen als Grundlage

Laut Studie bilden für rund 80 Prozent der befragten Unternehmen die Daten aus dem Rechnungswesen die Basis für das Controlling. Dies ist ein starker Beleg dafür, wie wichtig die Rolle des betrieblichen Rechnungswesens im Controlling ist. Die Organisation dieses Aufgabenfelds findet deshalb häufig innerhalb des Rechnungswesens statt. Ebenfalls weit verbreitet ist die Einrichtung einer Stabstelle. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern weisen dem Controlling vermehrt einen eigenen Funktionalbereich zu.

Datenbasierte Unternehmenssteuerung ist wichtiger denn je

Was die Studie aus 2017 eindeutig belegt hat, bestätigt ebenfalls eine aktuelle Studie zum Thema Rechnungswesen und Controlling der Zukunft aus 2020: Eine datenbasierte Unternehmensteuerung wird für den Mittelstand zunehmend wichtiger. So bestätigen die Befragten in beiden Studien die steigende Bedeutung von Controlling innerhalb ihrer Organisation. Die Befragten sind sich einig, dass das Rechnungswesen und Controlling das Management immer mehr, auch ad hoc, mit spezifischen Analysen, Kennzahlen und Interpretationen unterstützen wird.

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Melanie Henschel
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